
Gestern wurden also Fakten geschaffen, heute kommen wir zum nicht minder wichtigen Teil des Jahresrückblicks: der Sentimentalität. Es ist ja leicht zu schimpfen und zu leiden, wir Deutsche sind in der Welt bekannt dafür, ein Volk der Jammernden zu sein. Da will ich keine Ausnahme machen und der grippale Infekt, der mich momentan darniederschlägt tut sein Übriges, um einer fiesen Hasstirade an das Jahr 2008 einen soliden Nährboden zu bereiten.
2008, ich werde dich ganz bestimmt nicht vermissen. Ich hätte es gleich wissen müssen, guckt euch doch nur mal die Acht im 2008 an. Die auf die Seite gelegt und wir hätten uns alle nicht wundern brauchen, das Zeichen der Unendlichkeit, der Wiederholung, aber auch der Stagnation und des auf-der-Stelle-tretens hat sich die ganze Zeit in der Jahreszahl versteckt! Da braucht man nun wirklich kein Verschwörungstheoretiker sein, so klar ist das. Klar wie Kloßbrühe, würde ich fast sagen. Sicher, das Jahr war für mich vielleicht das erkenntnisreichste überhaupt, hätte mich aber jemand vorher gefragt: ich hätte die eine oder andere Erkenntnis getrost geskippt und immer volle Fahrt voraus und et cetera pp. Mit 27 denkt man doch tatsächlich, bestimmte Sachen verstanden, durchschaut und begriffen zu haben. Ein bißchen zu wissen, wie der Hase läuft und welche Knöpfe man drücken muss. Man gewöhnt sich an die einen Umstände und hält andere für selbstverständlich. Bis die Blase platzt. 2008 hat mir innerhalb kürzester Zeit den schönsten und den schwierigsten Moment meines Lebens beschert. “Nichts bereuen” heißt ein deutscher Kinofilm mit Jessica Schwarz und da kann ich nur lachen. Warum eigentlich nicht? Bereuen bedeutet, dass man eine Lehre aus etwas gezogen hat, und dass man es beim nächsten Mal vielleicht anders machen würde. Bereuen kann man nicht, ohne ein Gefühl in sich zu tragen und manchmal ist es gar nicht so schlecht, überhaupt ein Gefühl in sich zu tragen, und wenn es lediglich negativer Natur ist. Ich bin inzwischen auch kein Freund mehr davon, Hass grundsätzlich abzulehnen. Hass kann genauso wie Liebe eine enorme Triebfeder sein und wenn man in der Lage ist, diesen Hass zu steuern, dann gibt es grundsätzlich nichts gegen ein bißchen Hass einzuwenden. Das ist genau das gleiche wie mit dem Egoismus. Wer immer nur an die anderen denkt, bleibt anscheinend auf der Strecke. Wäre ja aber auch Unsinn, immer nur Liebe und Verständnis und Respekt und Rücksicht und Vorsicht und Devotismus und Altruismus. Ist doch scheiße.
Das Leben nehmen wie es kommt? Auf gar keinen Fall, aber den Moment angemessen würdigen, wenn er da ist. Nicht mehr in der Vergangenheit leben, oder die Zukunft verplanen. Today is the day. Let go of what you think you know!
Meine Top 5 Vorsätze für 2009:
- mir meinen Kindheitstraum erfüllen und einen 911er für einen Tag ausleihen
- ein Land bereisen, dass ich noch nie gesehen habe
- George Clooney vom Thron des begehrtesten Junggesellen der Welt (Quelle: Focus) stoßen
- an der Greencard-Lotterie teilnehmen
- die Zahl der Feed-Abonnenten hier auf 500 schrauben
Meine Top 5 Alben 2008 (Nicht Releasedate sondern Zeitpunkt der Entdeckung)
- Vampire Weekend - Vampire Weekend
- Broken Social Scene - Broken Social Scene
- The Shins - Wincing The Night Away
- Bon Iver - For Emma, Forever Ago
- Ra Ra Riot - The Rhumb Line
Meine Top 5 Songs 2008 (Anhand des iTune-Zählers ermittelt)
- The Shins - Sleeping Lessons
- Broken Social Scene - 7/4 (Shoreline)
- Santogold - Creator
- Mos Def - Umi Said
- Bon Iver - Skinny Love
Meine Top 5 Bücher 2008 (Zeitpunkt der Entdeckung)
- Bret Easton Elllis - Lunar Park
- Christian Kracht - Faserland
- Heinz Strunk - Die Zunge Europas
- A.J. Jacobs - Britannica & Ich
- Irvin D. Yalom - Die Liebe und ihr Henker
Meine Top 5 Musikvideos 2008 (Zeitpunkt der Entdeckung)
- Santogold - Lights Out (Link)
- N.E.R.D. feat Santogold, Julian Casablancas - My Drive Thru (Link)
- Goldfrapp - Caravan Girl (Link)
- Vampire Weekend - A-Punk (Link)
- Girl Talk - Still here (Link)
Meine Top 5 Designer 2008
- Julien Vallée (Link)
- Elisabeth Moch (Link)
- Will Goodan (Link)
- Gabriel Rocha (Link)
- Jonathan Saunders (Link)
Und bei euch so? Was ist eure Erkenntnis für 2008? Habt ihr einen Lieblingssong gehabt? Ein unvergessliches Ereignis? Wie auch immer, in jedem Fall will ich eure Vorsätze für 2009 lesen. Am besten fünf, aber wenn es nur einer ist, ist es auch ok. Übrigens: ich gehe davon aus, dass viele von euch nicht mehr vor dem Jahreswechsel hier reinschauen - die Vorsätze passen hier aber auch noch gut nach eurem Urlaub rein!
In diesem Sinne, einen guten Rutsch und ein frohes neues Jahr.
(Illustration via)
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