SinnerSchraderAgenturPropagandaBlogDiss & Tipps

Zugegeben: der aktuelle SinnerSchrader Webauftritt ist verführerisch schön (wenn man nichts anklickt!), aber das war die Olympia-Eröffnungsfeier auch. Wenn man zum Beispiel so mit der Maus rumschlawenzelt wird die Seite ganz bunt und schimmert. Für einen Moment der Unachtsamkeit hab ich mich gefühlt wie Mogli, der Kaa zu tief in die Augen guckt. So müssen 1966 die Zeugen von Maos Faselei über die rote Bibel am Platz des himmlischen Friedens empfunden haben. Aber ich konnte mich losreißen und mein Ziel verfolgen: ich wollte mich auf die Suche nach lesenswerten Agenturblogs begeben. Das hab ich auch geschafft, aber anders als ich mir vorgestellt hätte, denn der Blog des Hamburger Unternehmens hat seinen ganz eigenen Charme.

Gleich der Zweite Eintrag vom 08. August (dem eine irritierend schamlose, aber rührend ehrliche Eigenwerbung bezüglich der Internationalität der Agentur folgt), hat es in sich. Ina wird vorgestellt und Ina macht jetzt schon zum zweiten Mal Praktikum bei SinnerSchrader, diesmal gleich für ganze sechs Monate als frischgebackene “Assistentin für Screendesign” und der Leser fragt sich unweigerlich, ob SinnerSchrader zur Not auch eine noch erniedrigendere Position im Angebot gehabt hat.

„Die Aufgaben hier sind zugeteilt, die Kommunikation in sich stimmig”, urteilt sie, „jeder im Team weiß, was er machen soll.”

Nachdem der armen Ina jedenfalls ein mundgerechtes Zitat im Bezug auf ihre Lernerfolge und die Teamarbeit bei SinnerSchrader entlockt wurde, nimmt der Blogeintrag Fahrt auf. Im Interview, das schon einmal übrigens, so wird im Eintrag freimütig geschildert, wegen kollidierender Interessen von Inas Vorgesetztem verschoben werden musste, offenbart sich sofort ihre Loyalität gegenüber der Kolchose dem Unternehmen.

“‘Ich habe Vieles gelernt, was ich sowohl im schulischen wie auch im privaten Bereich einsetzen konnte.’ Das Einhalten von Deadlines zählt sie dazu genauso wie Sauberes Arbeiten und auf Details achten. Die Feedback-Kultur beschreibt sie schlagwortartig als ‘hart, aber fair’.”

Und Pixelvermessung gehört jetzt nämlich auch, so die Blogautorin stolz, zum elaborierten Leistungsspektrum von Ina. Die Erklärung, was das genau nochmal ist, bleibt dem Leser, der nun ob der berstenden Spannung eh viel zu aufgewühlt vor dem Monitor hin und herrutscht, leider schuldig. Kurz stellt er sich vor, wie Ina zwei Straßenbauern quer durch die Hallen von SinnerSchrader zuschreit: “Ich hab gesagt weiter Links, das Tachymeter, du Affe! Wie soll ich denn so den Pixel vermessen?”

Egal, denn die Autorin scheint schwindelerregend viele Asse, wenn nicht gar eine Assfabrik im Ärmel zu haben: vorher habe Ina nämlich bereits (”für ein großes Kundenprojekt”, !) das Freistellen von Objekten entmystifiziert. Ein Paukenschlag. Auch die Assimilation hinsichtlich der Frustrationsschwelle für Arbeitszeiten scheint reibungslos von statten gegangen zu sein und jetzt ist der Beitrag an Jovialität kaum noch zu überbieten:

“An größeren Projekten mitzuarbeiten kann bedeuten, die Interaktivagentur manchmal erst um 23 Uhr zu verlassen, weiß Ina. ‘Da bin ich dann schon kaputt’, gibt (Ina) zu.”

“Naja, aber Lehrjahre sind ja auch keine Herrenjahre, liebe Ina!”, möchte man Ina da keck zwinkernd zurufen. Am Ende dieser rasanten Achterbahnfahrt voll rhetorischer Glanzlichter bleibt dem Leser dann auch nichts weiter übrig, als sich der Autorin anzuschließen und Ina “eine spannende Zeit bei SinnerSchrader” zu wünschen. Bis dahin kann er sich mit folgenden, ungleich lesenswerteren Blogs in Atem halten:

10 Kommentare zu “SinnerSchraderAgenturPropagandaBlogDiss & Tipps”

  1. Ich werde diese Agenturwelt nie verstehen.

  2. Danke für deine moralische Unterstützung. Vielleicht ist es nicht wirklich schlau, kurz vor seinem Abschluss so einen Beitrag zu schreiben, aber die Steilvorlage musste ich einfach annehmen.

  3. Der Blog ist irgendwie wie dieses Anstarrspiel bei dem man hinstarren muss und nicht lachen darf…

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  5. *ATOMROFL*

  6. Haha, wirklich ein sehr guter Artikel!

  7. Danke, Matthias! Es scheinen sich übrigens diverse Agenturen für den Artikel zu interessieren, das konnte ich über die Wordpress-Statistik erkennen.

    Ich habe, für alle Nachzügler, den Fehler gemacht, einen Teil dieser zu nennen und den Kommentar auf freundlichen Hinweis von Dir und Kai gelöscht. Ich möchte natürlich niemandem zu Nahe treten und schon gar nicht pauschalisieren. Auch das bloß stellen (einzelner) liegt mir mehr als fern.

    Sorry, das war ein Schnellschuss und ich habe nicht über die möglichen Konsequenzen nachgedacht. Wieder ein Stück schlauer.

    Weitermachen!

  8. Hi Nicolas,

    es mag sein, dass dieser Artikel auf unserem Blog vielleicht etwas naiv geraten ist. Insofern kann von Propaganda keine Rede sein.

    Ich kann absolut verstehen, dass gerade das Thema Praktikum stürmische Gefühle auslöst. Ich glaube aber, dass du bei uns in Sachen Praktikantenclichés an der falschen Adresse bist.

    Wir beschäftigen sehr wenige Praktikanten (aktuell 1), die alle mind. 500,- Euro monatlich erhalten. Das ist nicht die Welt, aber immerhin. Die Praktikantin, von der in dem Blogeintrag die Rede ist, hat eine schulische Ausbildung absolviert, mit der sie selbst nicht zufrieden ist. Aus diesem Grund wollte sie gern nach ihrem Schulpraktikum noch einmal zu uns kommen.

    Seit ich bei SinnerSchrader bin (3 Jahre), haben wir 90% aller Praktikanten ein Übernahmeangebot gemacht, das 80% angenommen haben und fest bei uns arbeiten.

    Mach dir doch einfach selbst ein Bild. Schreib mir eine Mail komm vorbei. Dann kannst du selbst mit unseren Leuten darüber reden, wie es ist in einer Agentur zu arbeiten.

    Viele Grüße
    Vanessa

  9. liebe vanessa:

    1) alle großen agenturen weisen das thema weit von sich, selbst Jung von Matt

    2) progaganda und naivität, da wirst du mir vielleicht zustimmen, das hat die geschichte uns jedenfalls oft gelehrt, gehen meistens hand in hand. ich gebe dir recht, dass der artikel wirklich mehr als naiv geschrieben daher kommt, ich habe ihn sogar als steilvorlage empfunden.

    ich denke, es wird sehr deutlich, worauf mein artikel abzielt. über allem steht die frage: wer in aller welt liest sowas? in meinen augen ist die schreibe des blogs unerträglich banal und meinem artikel lag schließlich die recherche nach lesenswerten agenturblogs zu grunde. daher hab ich von meinen erfahrungen berichtet und überspitzt dargestellt. das termini wie “pixelvermessung” oder freistellen von “objekten” geradezu danach schreien, verhonepiepelt zu werden liegt da meiner meinung nach auf der hand. auch wie ina immer wieder zurechtgestutzte sätze in den mund gelegt werden, die sie so im leben nicht in echt gesagt hat wirkt auf mich hölzern und gestelzt. dass dann auch noch clichés im bezug auf das prekäre problem eurerseits freimütig bedient werden, zumindest verbal, hat denke ich jeder gelesen. für mich ist der artikel mehr eine presse-erklärung und es könnte der eindruck entstehen, dass es ina gar nicht gibt.

    3) ich kann mir gut vorstellen, dass der eine oder andere gern bei euch arbeitet, denn sonst hättet ihr 2001 genau wie die anderen gar nicht überlebt und dazu muss ich nicht erst vorbeikommen. vor allem weil ich denke, dass es mühsam wäre, mit den leuten zu reden, die sich tatsächlich für sinnerschrader entschieden haben. ich möchte jetzt nicht noch einmal den vergleich zu china bemühen, aber ich halte mich dann doch lieber an die gespräche, die ich mit leuten geführt habe, die sinnerschrader verlassen haben. das waren genau zwei, eine davon selbst praktikanten, eine andere in einer sehr hohen position. ich werde mich natürlich hüten, hier namen zu nennen, damit hab ich mir schon einmal den mund verbrannt, aber so viel stand nach den gesprächen fest: es ist nicht alles gold was glänzt. und da muss ich sinnerschrader ein bißchen in schutz nehmen: das scheint, wie eingangs erwähnt, bei allen agenturen ähnlich zu sein. ich weiß das, denn als student im letzten semester tauscht man sich viel mit kommilitonen aus, die in aller herren agenturen untergekommen sind. da kommt einiges zusammen, nicht nur über sinnerschrader. an dieser stelle hast du recht, das thema praktikum, generation p und diesbezügliche gesichtslosigkeit wird gerade im bereich der medien solange hohe wellen schlagen, bis sich grundlegend etwas ändert. und das ist nicht der fall, solage der hinweis auf freie taxifahrten ab 20.00 oder gratispizzen 22.00 uhr fester bestandteil von vertragsverhandlungen sind.

    4) ich weiß übrigens selber, wie es ist in einer agentur zu arbeiten. inzwischen sind es 4 jahre berufserfahrung and counting. und ich bin wirklich froh, dass ich es geschafft habe, mich einigermaßen vom status des azubi/praktikanten freizustrampeln.

    dennoch viele grüße, nehmts mir nicht übel, zahlt es mir doch einfach heim, so funktioniert die blogosphäre doch nunmal :D mit mir habt ihr jedenfalls einen feed-abonnenten mehr. mal schauen wie und ob sich das entwickelt.

    nicolas-

  10. [...] junges Publikum gerichtete Blog enthält durchaus lesenswertes: obligatorische Agentur-News, (so manche stutzig machende) PraktikantInnen Erfahrungen oder auch Geschichten von Mitarbeitern, die [...]

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