Jan Schoenwiesner, München
Vor ein paar Tagen hatte ich eine interessante Diskussion mit meinem Bruder darüber, inwiefern technisches Equipment ausschlaggebend bei der Umsetzung unser aller Ideen ist. Ausgangspunkt war die Frage, ob Macs wirklich deswegen unter Kreativen so beliebt sind, weil sie dem User, wie von Apple jedenfalls propagiert, ein höheres Maß an kreativer Freiheit lassen. Zweifellos sind wir alle, und gerade wir Männer, nicht gegen Technikaffinität und Fanboyism gefeit. Kurzfristig kann das die eigene Arbeitsweise sogar beflügeln. Zu einem Ergebnis sind wir aber trotzdem nicht gekommen, denn obwohl auch ich für meine Abschlussarbeit den Weg über gewaltiges Equipment gegangen bin, nehme ich genauso gern auch einfach mal nur den Copicmarker in die Hand und male auf Spanplatten rum.
Jan Schoenwiesners Diplomarbeit liefert aber neuen Gesprächsstoff. Er hat mit einer simplen HDV Kamera von Sony und einem selbstgebauten (!) 35mm Adapter ein visuelles Meisterwerk geschaffen, das im Bereich Diplomarbeiten seines gleichen sucht. Die dazugehörige Dokumentation steht dem Musikvideo dabei qualitativ in nichts nach. Und trotzdem wird sie nicht auf einem 486er mit MS Word zusammengeschustert worden sein.
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Stefan hat als aufmerksamer Leser richtigerweise festgestellt, dass ich hier Fachidiotenscheiße von mir gegeben habe. Ich darf natürlich nicht davon ausgehen, dass jeder weiß, wozu ein selbstgebauter 35mm Adapter gut sein kann. Daher hole ich das hier nach: Jan Schoenwiesner hat sich den 35mm Linsenadapter gebaut, um in der Lage zu sein, verschiedene SLR (Single Lense Reflex, den meisten bekannt als Spiegelreflex) Objektive benutzen zu können. Dadurch besaß er die Freiheit, auf seiner Sony HDV Kamera eine ganze Reihe von Brennweiten durchzuprobieren und echte Tiefenschärfe mit Consumerequipment zu generieren. Mit anderen Worten, er konnte auf Panavision oder die neue EOS 5D Mark II pfeifen. Das ist das faszinierende an der Geschichte. Es braucht nicht immer 16.000 € oder Connections zu einer Filmproduktionsgesellschaft. It’s all in your head!
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[Update Nr. 2]
Jan himself ist auf die Diskussion hier aufmerksam geworden und hat in den Kommentaren einen ausführlichen Einblick zur Entwicklung und Funktion des Adapters gegeben. Vielen Dank Jan!
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(via)



Kannst du mir erklären warum man sich einen 35 mm Adapter baut? Hört sich sehr spannend an, ich verstech aber als leihe den zweck hinter dem 35ger nicht
ich hab den artikel überarbeitet
Nicolas du bist ja geil
Danke.
Wenn man sich durch die Adapterbilder auf Jans Webseite klickt sieht man nen 50 1/8 ok, das erklärt die “Tiefenunschärfe”
Man kriegt mit den Consumerzeug keine Spielerei mit Tiefenschärfe hin? echt Krass - des Photographs liebstes Spielzeugs. Ich nehme mal an der Adabter soll den USM / Focus ansteuern?
die frage mit der tiefenunschärfe habe ich mir gerade auch gestellt.
aber dann lohnt es wohl nicht, die olle handycam auszupacken.
@ sven: naja, diese ganzen mediamarkt cams haben halt feste brennweiten. dann kann man nix wechseln. und wenn du dann makroshots machen willst oder teleaufnahmen und so, hör mir auf. die tiefenschärfe, die von echten glaslinsen erzeugt wirkt kriegst du einfach nicht anders hin oder emuliert oder so.
@ stefan: frag mich das jetzt nicht im detail mit dem adapter. ich hab aber die gleiche these wie du! welche funktion die knöpfe im einzelnen haben kann ich dir nicht sagen. aber der jan macht einen sehr netten eindruck und er wird es dir sicher gern erklären, wenn du ihm ne mail schreibst. würde mich auch interessieren, aber ich hab gerade nicht die zeit dafür!
Das Thema hat mich auch gerade gefesselt…wer mal son Ding baun und das ausprobieren!
@ sebastian: sag bescheid wenn du fertig bist. die ersten bilder werden hier gepostet!
hallo zusammen!
hab gerade eure diskussion hier entdeckt. ich kann ja mal ein paar details zum adapter erklären:
grundsätzlich ist es nicht so, dass die optik einer dv- oder hd-cam die tiefenschärfe maßgeblich beeinflußt.
der lichtempfindliche chip in der cam ist nur wesentlich kleiner als z.b. ein 35mm kleinbildfilm. ein gesetz der optik besagt nun aber, dass die tiefenschärfe direkt proportional zum abbildungsformat ist. wenn es also endlich günstige vollformat hd-cams gibt, wird auch der “filmlook” (der sich nicht nur auf die unschärfe beschränkt) möglich sein.
stark vereinfacht gesagt, besteht so ein adapter nur aus einer halterung für eine leicht milchige glasscheibe, die die größe eines 35mm kleinbildfilms hat. das objektiv wirft das bild auf die glasscheibe, die hd-cam filmt es von da ab.
die einheit, an der die knöpfe sind, kann man eigentlich auch weglassen. sie enthält nur eine batterie (und einen widerstand zum runterregeln der spannung) mit der ein kleiner motor die glasscheibe zum schwingen bringt. dadurch verschwindet die körnung.
den fokus muss man selbst per hand ziehen. denkbar wäre aber natürlich auch eine vorrichtung zu kaufen, die es auch für filmkameras gibt. dann braucht man auch noch einen “focus puller”, der das dann beim dreh bedient. (war für meinen dreh nicht wichtig/zu aufwändig und unpraktikabel. ich mußte alles an einem tag schießen, und so viele setups bekommts du mit ellenlangen aufbauarbeiten einfach nicht hin. war alles eher run-and-gun-style. dafür aber sehr ausführlich geplant und gestoryboarded.)
von den reinen materialkosten her kostet so ein adapter um die 150-200 euro.
(meine “entwicklungskosten” lagen, glaub ich, so um die 300 euro).
natürlich gibt es kommerzielle adapter, die man kaufen/leihen kann. mich hat aber gerade das simple prinzip dieser adapter interessiert. und geld für einen adapter (p+s technik: ca. 9000 euro) hatte ich als armer student sowieso nicht.
der film wurde übrigens auf einem zum damaligen zeitpunkt 3 jahre alten pc (hp pavilion, stangenwahre, nur ram aufgestockt) produziert. keine renderfarm, keine macs, kein für mich sowieso nicht erschwingliches equipment.
(der rechner, den ich im übrigen immernoch benutze, kann nicht mal hd material abspielen, weshalb ich sofort nach dem digitalisieren auf sd runter gegangen bin.)
während meiner recherche im internetz hatte ich diverse “home made adapter” projekte verfolgt und bin jetzt, nach ca. einem jahr, mal wieder auf ein paar der seiten gewesen. was sehr interessant ist: ein projekt wurde erfolgreich beendet, aber der autor hatte als letztes update eine sehr wahre sache festgestellt: “don´t waste your time on equipment! use it instead to come up with interesting characters and storylines.”
insgesamt war es ein schönes projekt, das ich hier keineswegs auf den adapterbau reduzieren will. es freut mich sehr, dass es so gut angenommen wurde. zur zeit tourt der film mit onedotzero durch die weltgeschichte und wenn alles klappt, wird er 2009 auf dem neuen release von amon tobin zu finden sein.
so, hoffe, das erklärt ein bischen was.
grüße,
jAn
vielen Dank für die Backgroundinfos, Jan. Schade irgendwie das so ein Update “nur” unten den Kommentaren zu finden ist… (wink mit dem Zaunfahl, Nicolas :-))
sehr schön jan, vielen dank, dass du dir die zeit genommen hast, dass hier nocheinmal so ausführlich zu erklären. in dem interview, dass 3Dattack mit dir geführt hat klang das alles für mich ein bißchen anders (und ehrlich gesagt sogar logischer :D). da hieß es: “to achieve true depth of field and avoid the dreaded video look i designed and built a 35mm adapter that would allow the use of SLR lenses on a sony HD camera”.
via booooom habe ich den vergleich gelesen, dass es eben nicht immer nötig sei, das teuerste und beste equipment zu kaufen. man solle es eher wie du machen und es wurde der vergleich zur EOS 5D gezogen, die ja bekanntlich HD aufnimmt und die möglichkeit bietet, die komplette bandbreite der wechselobjektivpalette canons zu benutzen. so hatte ich mir den look des musikvideos auch erklärt. offensichtlich kursieren daher wohl unterschiedliche erklärungsansätze zu deiner arbeit im netz und deswegen finde ich es umso cooler, dass du hier für aufklärung sorgen konntest.
überhaupt finde ich es cool, dass hier künstler zu wiederholten male feedback zu ihren arbeiten bzw. meinen berichten darüber geben. so muss das interweb funktionieren. shine on!
@ stefan: das lass ich mir nicht zweimal sagen
hätte ich aber auch so gemacht, wie beim ersten update auch. bääh.
@ nicolas: jaha, auf english hört sich immer alles ganz einfach an!
was die EOS 5D angeht: mal abgesehen davon, dass die momentan nur 30 fps aufzeichnet und damit für europäische (25 fps) und ami-produktionen (29,7 fps) nicht wirklich einsetzbar ist, verhält es sich auch da so-> es ist eine vollformat-cam (der chip hat die größe eines 35mm kleinbildfilms) und daher können die objektive überhaupt erst ihre tiefenschärfe darstellen.
natürlich macht die wahl des objektivs einen großen unterschied. ein 10mm weitwinkel sieht nunmal anders aus als ein 50mm normalobjektiv. und wie wir ja alle wissen, ist auch die blende ein wichtiger faktor für die unschärfe…
naja, wie man sieht, kommt man nicht drumherum, sich mit den grundsätzen der optik und der klassischen photographie im allgemeinen auseinander zu setzen. ein adapter/EOS 5D wird niemals der ausschlaggebende faktor für ein tolles projekt sein. da zählen halt die inhalte.
@ jan. Natürlich zählen die Inhalte bzw ein gutes Storyboard.
aber gerade durch die Effekte wurde ich auf den Film aufmerksam & als wissenhungriger Technikfreak, Gestalter & Grafiker freue ich mich tierisch
über das Making OF.
Einen schönes Model lässt sich nun ja auch besser mit einem lichtstarken 50 mm ablichten als mit einer IXUS ausem Baumarkt.
fröhlichwinkend.
die frage ist natürlich immer: wie kann ich aus den mir gegebenen möglichkeiten das optimale machen.
man sollte also nicht den tagträumereien erliegen und denken, dass in einer unbestimmten zukunft, wenn man erstmal all das traum-equipment hat, ein super projekt entsteht. man sollte lieber gleich anfangen, was zu machen und erfahrungen sammeln!
(ich stelle jetzt auch mal die kühne behauptung auf, dass für mein projekt der schnitt wesentlich wichtiger war, als die tiefenschärfe.)
@ jan: ich sehe das im grunde ganz ähnlich wie du, würde aber noch mit in den topf werfen, dass man sein publikum nie über- bzw. unterschätzen darf. ich würde sogar behaupten, dass die wenigsten menschen hier amon tobin kennen und damit eventuell nicht in der lage sind, einen bezug zwischen der schnittfolge oder der storyline des videos und dem image des künstlers herzustellen. das ist nun einmal so, sollte aber auch völlig egal sein. ich glaube, dass es da einen pyramidenartigen aufbau bei der wahrnehmung der ästhetik eines gestalteten produkt gibt: der “laie”, also der, der vielleicht ein legitimes ästhetisches empfinden, aber kein fachwissen besitzt, wird bei deinem musikvideo zu aller erst die farbwelt wahrnehmen, noch bevor irgendetwas anderes passiert. gleich darauf fällt ihm die tiefenschärfe auf und erst danach, vielleicht sogar nur unterbewusst die schnittfolge, jumpcuts und ähnliche stilmittel. die storyline erschließt sich erst zum schluss, ist ja klar, du kannst nicht vorher wissen was passiert.
der, der über ein breites hintergrundwissen verfügt wird auch während des videos sofort auf den schnitt achten. alles in allem kann ich verstehen, dass dir die ausgedehnte diskussion über den technischen aspekt hier vielleicht in keinem verhältnis zum eigentlichen künstlerischen anspruch steht. so gehts mir auch. wie oft habe ich emails bekommen in denen es hieß “wie hast du das und das gemacht?” und “welches programm hast du da und dafür benutzt”, vor allem bei meinen illustrationen. wenn ich dann sage, dass ich vieles davon noch mit ps7 gemacht hab ernte ich ungläubiges staunen. im übrigen würde ich aber stefan beipflichten wollen: mit der IXUS aus dem baumarkt kannst du sicher keine centerfold fotografie machen, für die du eigentlich groß- und mittelformatige hasselblads mit 54mp für 18.000€ benutzt. du kannst mit der ixus aber sehr wohl eine reisedokumentation in peru machen, die seine betrachter aus den sitzen haut. es kommt immer darauf an, was du vorhast und dem sollte man die auswahl an equipment unterwerfen. die idee steht zuerst, ganz klar. ich sehe aber überhaupt keinen grund, weshalb man nicht alle register ziehen sollte, die einem eventuell zur verfügung stehen.
ach ja und: ich weiß nicht, so mißverständlich war der satz aus der 3dattack doch gar nicht, oder? jedenfalls hat er wenig mit dem gemeinsam, wie du es hier erklärt hast. vielleicht stehe ich da aber auch total auf dem schlauch, denn ich muss zugeben, dass ich da auf dem gebiet auch nicht der versierteste bin.
ganz abgesehen davon: geile diskussion hier! darüber freu ich mich immer sehr! weiter so, i love you all.
ach, mir ist die diskussion gar nicht zu technisch bzw. denk ich nicht, dass das den clip zu sehr reduziert. will nur vermeiden, dass sich da jemand zu sehr auf technikspielereien verläßt und nicht über das wichtigste nachdenkt: inhalte.
gerade die breite masse kann mit “looks” und tiefenschärfe nix anfangen.
für sie ist das ein unbestimmbares gefühl, was etwas “wertig” oder professionell” macht. da funktioniert das produkt immer als ganzes, es wird eher der inhalt und special effects wahrgenommen.
schon die tiefenschärfe fällt niemandem auf. da gibt es tatsächlich ganz schöne umfragen und den “filmlook” kann eigentlich kein zuschauer definieren. soll heißen: dem typischen verbraucher ist es herzlich egal, ob ein film noch auf 35mm oder digital geschossen wurde. sowas fällt nur den geeks und filmnerds auf.
und gerade deshalb bin ich da wirklich ein fan von inhaltlich (visuell wie konzeptionell) reichhaltigen sachen. so hast du verschiedene “levels” und jeder betrachter nimmt sich auf seinem level was mit. (wie bei den simpsons: lustig für kinder, aber subtil genug, um auch die erwachsenen zu erreichen)
bezüglich des ixus-exempels-> da würde ich widersprechen wollen:
ich weiß, ich strapaziere hier den viel gebrauchten satz “der fotograf macht das bild, nicht die kamera”. gut ausgeleuchtet und aufbereitet/nachbearbeitet, kannst du ganz sicher mit jeder herkömmlichen consumer-cam spitzen fotos schießen. du musst halt nur wissen, wie ein ordentliches (studio)setup funktioniert. grundsätze der gestaltung anwenden. das ist ja eher das problem bei den meisten hobbyfotografen. das teuere equipment ist da, aber die bilder sind trotzdem nicht gut.
natürlich sind jetzt für bestimmte druckverfahren technische limits einzuhalten, das ist schon klar.
3d attack-interview: ich muss zugeben, dass ich dir da nicht ganz folgen kann. meine ausführung dort ist einfach nur kurz und allgemein gehalten um eben nicht, wie hier, technisch vom hundertsten ins tausendste zu kommen. interessiert ja sowieso nur eine minderheit.
ps: ich denke eher, dass man sein publikum nie unterschätzen sollte (überschätzen geht gar nicht: dann würdest du ihnen einfachheit unterstellen). wir haben ja als gestalter auch eine verantwortung der gesellschaft gegenüber: wenn man die leute mit, sagen wir mal leichter unterhaltung visuell erzieht, dann ist natürlich klar, dass irgenwann das verständniss für subtilere geschichten und komplizierte sachverhalte gen null geht.
es liegt also auch an uns, inhaltlich reizvolle projekte zu machen.
(und damit mein ich jetzt nicht unbedingt lehrvideos. es ist aber oft möglich, mehrere bedeutungsebenen einzubauen und wenigsten etwas zum nachdenken anzuregen. und wenn es nur ein “das versteh ich jetzt nicht” ist.)
also ich finde ja generell, dass es völlig egal ist, womit man was wie aufnimmt.
es geht first of all um die idee und die kreativität dahinter.
alleine sich so einen adapter zu bauen ist schon sehr einfallsreich, obwohl, wie auch jan schon angemerkt hat, dass dann im endeffekt einem guten schnitt hinten ansteht.
am ende muss der film oder whatever gut sein.
wie man da hinkommt ist sekundär, aber dennoch sehr interessant, um einige sachen dann auch in die eigenen arbeit mit einfliessen lassen.